BITTE UNTERSTÜTZEN SIE UNS IM KAMPF GEGEN LEUKÄMIE:

Spender werden

Lassen Sie sich typisieren, damit Sie als potenzieller Stammzellspender zur Verfügung stehen können, wenn es darauf ankommt ein Menschenleben zu retten!

Ohne finanzielle Hilfe geht es nicht ...

Die Kosten einer Typisierung werden weder durch Bund oder Länder noch durch die Krankenkassen getragen. Daher sind wir auf Ihre finanzielle Hilfe angewiesen.

Organisieren Sie eine Typisierungsaktion!

In Ihrem Umfeld ist jemand auf eine Stammzellspende angewiesen und Sie möchten eine Typisierungsaktion organisieren? Wir unterstützen Sie gern!

Eine ganz besondere Spende

Dieser Text ist ein Auszug aus dem VSE Magazin "kontakt". Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung. Zur Originalquelle.

Wann und mit welcher Motivation hatten Sie sich bei der WSZE registrieren lassen?

Über Facebook wurde ich 2018 auf eine Typisierungsaktion in Schmelz aufmerksam. Ein dort ansässiger Baumarkt hatte für eine an Leukämie erkrankte Kollegin zu der Aktion aufgerufen. Da ich schon vorher über eine Registrierung nachgedacht hatte, war dies jetzt der Anlass für mich, aktiv zu werden. Vor Ort nahmen Mitarbeiter der
WSZE mit Wattestäbchen einen Abstrich von meiner Wangenschleimhaut. Anschließend musste ich eine Einverständniserklärung zur Aufnahme meiner Daten in die WSZE-Datenbank ausfüllen. Nach erfolgter Registrierung erhielt ich kurze Zeit später einen Spenderausweis.

Und dann geschah erst mal nichts?

Stimmt. Bis im Februar 2020 der Anruf kam, der alles ins Rollen brachte. Ich sei als potenzielle Stammzellenspenderin für eine Person, Mitte 50, wohnhaft in Europa, identifiziert worden. Dann musste es sehr schnell gehen. Frau Dr.Heid-Markenstein unterstützte mich dankenswerterweise, indem sie mir in ihrer Freizeit in der werksärztlichen Praxis mehrere Röhrchen Blut abnahm, die per Kurier für weiterführende Tests nach Ratingen zur WSZE geschickt wurden. Ich sollte mich laut
WSZE darauf einstellen, dass es fürmich so zusagen bald ernstwerden könne. Nach zwei Wochen erhielt ich die Nachricht, dass meine Blutparameter mit denen der erkrankten Person übereinstimmten. Kurze Zeit später wurde mir jedoch mitgeteilt, dass gewisse Faktoren, sicherlich auch die Situation rund umCorona, die Spende erst zu einem späteren Zeitpunkt zuließen.

Wie fühlten Sie sich in diesem Moment und wie ging es weiter?

Ich war sehr besorgt und dachte nur: Hoffentlich wird sich der Gesundheitszustand der Person nicht weiter verschlechtern, sodass eine Spende vielleicht gar nicht mehr in Frage kommt. Man wies mich aber darauf hin, ich könne innerhalb der nächsten sechs Monate jederzeit einen Anruf bekommen, dass die Spende und somit die anschließende Transplantation nun möglich seien. Ich solle auch darauf vorbereitet sein, sehr kurzfristig nach Ratingen zu fahren. Außerdem musste ich Kontaktdaten von Personen in meinem Umfeld angeben, die mich Tag und Nacht erreichen konnten.


Sehr spannend!

Ja, man sieht erst, was für aufwändige Prozesse hinter einer solchen lebensrettenden Spende stecken, wenn man selbst involviert ist. Im Juli 2020 ging es dann sozusagen
Schlag auf Schlag. Ich erhielt den Anruf, dass die Spende jetzt stattfinden könne, und musste unverzüglich nach Ratingen zur Spenderzentrale reisen. Dort erfolgte eine erneute Blutuntersuchung sowie ein Rundum-Check meines körperlichen Zustandes. Dann hatte ich ein mehrstündiges ärztliches Aufklärungsgespräch.

So ein langes Aufklärungsgespräch – was wurde dort denn alles besprochen?

Der Arzt erklärtemir, dass es prinzipiell zwei Arten gebe, Stammzellen zu entnehmen: Zum einen die Periphere Blutstammzellspende, bei der ein Gerät – ähnlich wie bei der Dialyse – das Blut aus demKörper ausleitet, die Stammzellen per Zentrifuge separiert und dann das Blut dem Körper wieder zu führt. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, Stammzellen durch einen operativen Eingriff direkt am Knochenmark zu entnehmen. In meinem Fall war die Methode mit dem Gerät ausreichend. Außerdem wurde ich in dem Gespräch über die Risiken für mich selbst aufgeklärt. Zu guter Letzt händigte man mir noch schriftliches Infomaterial und eine Einverständniserklärung aus. Ich hatte mehrere Tage Bedenkzeit, mich für oder gegen die Spende zu entscheiden.

Haben Sie die in Anspruch genommen?

Nein, ich habe mich nach dem Aufklärungsgespräch noch vor Ort entschieden, die Spende durchzuziehen. Von diesem Moment an gab es dann quasi kein Zurück mehr, denn mit meiner definitiven Zusage wurde auch die Empfänger-Person durch eine Chemotherapie auf die Transplantation vorbereitet. Man erklärte mir, dass durch diese Therapie und ohne eine nachfolgende Übertragung meiner Stammzellen, die Person nicht überleben kann. Das ist einem alles gar nicht so bewusst.

Wie ging es dann weiter?

Ich bekam ein sogenanntes Vorbereitungspaket mit nachHause. Darin waren Spritzen mit dem Wachstumsfaktor G-CSF enthalten, die ichmir für die Dauer von drei Tagen morgens und abends in den Bauch verabreichen musste. Dieses Medikament steigert die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut. Während der Gabe des Medikamentes können grippeähnliche Symptome auftreten, was bei mir auch der Fall war: Ich bekam starke Glieder-, Rücken- und Brustkorbschmerzen. Es blieb mir also nichts Anderes übrig, als auch die Schmerzmittel, die im Vorbereitungspaket enthalten waren, einzunehmen.

Nach den drei Tagen mussten Sie dann wieder nach Ratingen?

Genau. Am 21. Juli, dem Vortag der Spende, fuhr mein Lebensgefährte erneut mit mir nach Ratingen, wo für uns bereits ein Hotel zimmer reserviert war. An dieser Stelle ein ganz großes Lob der WSZE! Der komplette Spendenprozess war von A bis Z vorbildlich durchorganisiert und für mich mit keinerlei Kosten verbunden. Am Morgen des 22. Juli spritzte ich mir um 8 Uhr im Hotel die letzte Dosis der Medikamente, dann ging es zur Spenderzentrale. Dort erfolgte nochmals ein kurzer ärztlicher Check sowie eine Blutabnahme, um die Menge der gebildeten Stammzellen zu ermitteln. Und dann war es soweit, ich wurde an das Gerät angeschlossen.

Wie lange dauert so eine Spende?

Das hängt von der Menge der gebildeten und der benötigten Zellen ab. In meinem Fall dauerte es fünf Stunden. Neben mir spendete ein Mann seine Blutstammzellen für ein kleines Kind, der war schon nach drei Stunden mit der Spende durch. Wir beide mussten natürlich über die gesamte Zeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen, konnten uns aber dennoch über unsere Erfahrungen in den letzten Tagen und die gemeinsame Hoffnung, mit der Spende helfen zu können, austauschen. Die ungewohnte Situation und einige Folgen meiner Lieblingsserie auf Netflix trugen dazu bei, dass die Zeit gefühlt doch einigermaßen rasch vorüberging.

Und dann hatten Sie es geschafft?

Noch nicht ganz. Ich musste mich noch eine Stunde bereithalten für den Fall, dass nicht genügend Stammzellen ausgefiltert wurden. Wäre dem so gewesen, hätte ich noch einen zweiten Tag zur Entnahme weiterer Stammzellen bleiben müssen. Gott sei Dank genügte aber dieser eine Anlauf, und so konnte mein Freund mich, ausgestattet mit Schokolade, einem Arztbrief, weiteren Blutabnahme-Röhrchen und einer Danksagungskarte, am gleichen Tag zurück ins Saarland fahren. Übrigens finde ich es richtig toll, das die VSE mich für diese beiden Tage nicht nur freigestellt hatte, sondern auch auf die Möglichkeit verzichtete, sich meinen „Verdienstausfall“ von der WSZE erstatten zu lassen. Das war also quasi eine Spende der VSE an die WSZE. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich!

Dem schließen wir uns an! Gab und gibt es denn noch eine ärztliche Nachsorge?

Ja, eine Woche nach der Spende wurden meine Blutwerte erneut gecheckt. Die Werte waren in Ordnung. In Zukunft werde ich aber in regelmäßigen Abständen untersucht.

Und wissen Sie, wie es dem Empfänger heute geht?

Ein halbes Jahr nach der Transplantation kann man sich erkundigen, ob die Spende erfolgreich war und die Person überlebt hat. Natürlich habe ich das am 22. Januar dieses Jahres direkt getan, und nach ein paar Tagen erreichte mich diese wunderbare Nachricht von der WSZE: „Die Patienten betreuende Einheit hat uns mitgeteilt, dass es dem Empfänger Ihrer Stammzellen erfreulicherweise relativ gut geht. Die blutbildenden Zellen sind angewachsen und die Ursprungserkrankung ist bisher nicht wieder aufgetreten. Es ist bis heute weder zu Abstoßungsreaktionen noch zu Infektionen gekommen.“ Sie können sich vorstellen, wie glücklich ich war!

Haben Sie denn das Bedürfnis und die Möglichkeit, die Empfänger-Person kennen zu lernen?

Oh ja, ich würde den Empfänger der Stammzellspende sehr gerne treffenoder zumindest Kontakt mit ihm/ihr haben! Er ist ja sozusagen mein genetischer Zwilling. Ich finde das spannend und frage mich manchmal, wer dieser Mensch wohl ist. Die Spende bekäme dann ein Gesicht. In den ersten beiden Jahren nach der Spende wird allerdings streng auf Anonymität geachtet. Ob und welcher Kontakt nach Ablauf dieser zwei Jahre möglich ist, hängt von den jeweiligen Regularien der Länder ab, in denen Spender und Empfänger leben. Jedenfalls müssen beide sich ausdrücklich damit einverstanden erklären, dass eine Kontaktaufnahme stattfinden kann. Ich würde es aber natürlich auch akzeptieren, wenn die Empfänger-Person den Kontakt nicht wollen würde.

Hatten Sie zu irgendeinemZeitpunkt Zweifel oder Angst?

Ganz ehrlich? Ja. Während des ärztlichen Aufklärungsgesprächs wurde mir doch mulmig angesichts der Risiken, die die Spende auch fürmich barg. Aber die Möglichkeit, ein Menschenleben retten zu können, war dann doch bei weitem stärker als die Angst. Die Empfänger-Person ist im gleichen Alter wie meine Eltern. Man weiß nie, ob man selbst oder die Familie nicht auch irgendwann auf Hilfe angewiesen ist. Rückblickend lässt sich sagen, dass es eine interessante Erfahrung war, und ich würde es jederzeit wieder tun. Ich kann nur jeden, der einmal in diese Lage kommen sollte, ermuntern und motivieren, sich dieser Herausforderung zu stellen.